Vom Abi zum Meister

Bereits vor zehn Jahren bewies Hans Medele Weitsicht. Dem damaligen Obermeister der Kfz-Innung München-Oberbayern war klar, dass es in Zukunft schwer sein würde, den Bedarf an hochqualifizierten Führungskräften abzudecken – und er sollte recht behalten. Viele Kfz-Betriebe suchen heute händeringend nach klugen Köpfen. 2009 hatte der Obermeister Abi + Auto ins Leben gerufen, ein Ausbildungsprojekt, das sich gezielt an Abiturenten richtet. Das Besondere ist die Kombination aus verkürzter Kfz-Mechatroniker-Ausbildungen und zwei Fortbildungen. Nicht für jeden Abiturenten ist ein Hochschulstudium der Heilige Gral. Für diejenigen könnte Abi + Auto eine interessante Alternative sein. Das Projekt richtet sich aber bei Weitem nicht nur an Abiturenten, sondern auch an Studienabbrecher, die letztlich feststellen mussten, dass sie in einer Ausbildung weitaus besser aufgehoben wären. Besteht der Teilnehmer alle Prüfungen, trägt er nach drei Jahren den Meistertitel.

Preisgekröntes Programm

Das Projekt startete im bayerischen Landsberg am Lech. Im ersten Ausbildungsjahr 2009/2010 nutzten 16 Teilnehmer das neue Angebot, mittlerweile liegt die Teilnehmerzahl zwischen 18 und 24, somit ist ein leichter Anstieg zu vermerken. Insbesondere das weibliche Geschlecht scheint sich von Abi + Auto angesprochen zu fühlen, deren Quote liegt im Vergleich zu regulären Ausbildungsverhältnissen im Kfz-Handwerk deutlich höher. Das Projekt wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hermann-Schmidt-Preis, welcher 2012 unter dem Motto „Attraktivität der dualen Berufsausbildung für leistungsstarke Jugendliche“ stand. Das Programm biete jungen Menschen eine attraktive Alternative zum Hochschulstudium und Betrieben die Möglichkeit, ihren Führungsnachwuchs systematisch aufzubauen. Inzwischen wird das Programm auch an zwei weiteren Standorten angeboten: Seit 2016 können sich die Abi-Azubis im unterfränkischen Haßfurt sowie seit 2019 im nordrhein-westfälischen Münster aus- und weiterbilden lassen. 

Kfz-Karrieresprungbrett

Abi + Auto ist ein Programm für Durchstarter, ein gewisses Engagement sollte man deshalb schon an den Tag legen. Der Lohn der ganzen Mühe: drei Abschlüsse in relativ kurzer Zeit. Innerhalb von drei Jahren legen die Teilnehmer ihre Gesellenprüfung zum Kfz-Mechatroniker im Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik ab und erwerben gleichzeitig den Abschluss zum staatlich anerkannten Kfz-Servicetechniker sowie zum Kfz-Technikermeister. Trotz der verkürzten Lehrzeit werden im Betrieb alle Inhalte des Ausbildungsrahmenplans für Kfz-Mechatroniker vermittelt, das Lerntempo ist demzufolge weitaus flotter. Nach der bestandenen Prüfung folgt der Fortbildungsteil. Innerhalb von sechs Monaten erlangen die Teilnehmer zwei Abschlüsse: zum staatlich anerkannten Kfz-Servicetechniker und zum Kfz-Technikermeister. Wer noch einen draufsetzen möchte, kann sich innerhalb von sechs Monaten zum „Geprüften Betriebswirt (HwO)“ ausbilden lassen. Die Fortbildungen sind übrigens kein Muss, sondern freiwilliger Natur. Wer zum Beispiel keinen Meistertitel wünscht, lässt diese Fortbildung einfach aus. Wem die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker genügt, hat nach zweieinhalb Jahren den Gesellenbrief in der Tasche.

Unterricht und Voraussetzungen

Besondere Projekte erfordern besondere Lehrpläne: Bei dem Projekt der Kfz-Innung München-Oberbayern lernen die Fach- und Führungskräfte von morgen das nötige Handwerkszeug in speziellen Fachklassen. Der Unterricht erfolgt blockweise, sodass auch Azubis mit einem weiteren Anfahrtsweg daran teilnehmen können. Dieser findet an der Staatlichen Berufsschule in Landsberg am Lech statt. Wer nicht in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, kann während dieser Zeit kostengünstig im Internat übernachten. Die Voraussetzung, um überhaupt am Projekt teilnehmen zu dürfen, ist die allgemeine beziehungsweise fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife. Dass jemand, der später einmal im Kfz-Gewerbe arbeiten möchte, einerseits über ein gewisses technisches Verständnis verfügen und andererseits ein Faible für Autos haben sollte, versteht sich von selbst. 

 

(Bild: Kfz-Innung München-Oberbayern)

 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.