Virtual Reality ermöglicht Behinderten Kfz-Ausbildung

Man stelle sich vor: Ein junger Mensch träumt von einer Ausbildung als Kfz-Mechatroniker, doch ein Unfall hat ihm letztlich einen Strich durch die Rechnung gemacht, da er seitdem im Rollstuhl sitzt. Oder ein Kfz-Technikermeister kann seinen Beruf aufgrund einer schweren Erkrankung nicht mehr ausüben. Aus und vorbei? Nicht unbedingt. Für solche Fälle wurde das vom Bundesbildungsministerium geförderte Forschungsprojekt InKraFT ins Leben gerufen. Durch den Einsatz digitaler Technik, zum Beispiel VR-Brillen und einer speziellen Lernplattform, werden die Inhalte so vermittelt, dass auch körperlich oder kognitiv beeinträchtigte Menschen eine Aus- und Weiterbildung im Kfz-Bereich machen können. Oder ihren erlernten Beruf weiter ausüben können.

InKraFT richtet sich an Menschen, die:

-  körperlich behindert, aber kognitiv durchaus in der Lage sind, im Kfz-Handwerk zu arbeiten

- kognitiv beeinträchtigt sind, aber körperlich in der Lage sind

- früher als Kfz-Mechatroniker gearbeitet haben, aber den Beruf aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr ausüben können. 

Wer querschnittsgelähmt ist und in einem Rollstuhl sitzt, kann nicht ohne Weiteres einen Motor zerlegen und wieder zusammenbauen. Was er aber kann: Eine VR-Brille aufsetzen und in die Rolle eines Kfz-Mechatronikers schlüpfen und den Motor in der virtuellen Werkstatt zerlegen und zusammensetzen. In der virtuellen Realität sieht es so aus, als befände er sich in einer echten Werkstatt. Ebenfalls ins Lernkonzept mit eingebunden sind Lernvideos, etwa die von Azubis erstellten YouTube-Videos www.kfz4me.de. Und auch wenn die körperlichen Beeinträchtigungen letztlich so groß sind, dass der Nutzer später nie selbst an einem Auto Hand anlegen wird, könnte er zum Beispiel im Diagnose-Back-Office oder in der Hotline arbeiten. 

Manchen fällt es wiederum schwer, sich zu konzentrieren und Inhalten zu folgen. InKraFT richtet sich auch an Lernbehinderte, die zwar kognitiv eingeschränkt, körperlich aber durchaus in der Lage sind, in einer Werkstatt zu arbeiten. Die Arbeitsanweisungen sind in einer größeren Schrift dargestellt und in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben. Der Nutzer kann sich Tipps und Hinweise auch vorlesen lassen. 

Vom Meister zum Trainer 

Das Projekt richtet sich nicht nur an diejenigen Menschen, die vor einer Ausbildung stehen, sondern auch an diejenigen, die bereits einen Beruf erlernt haben, diesen jedoch aufgrund einer Behinderung oder eines Unfalls nicht mehr ausüben können. Normalerweise wäre das Wissen verloren. Dank InKraFT können die Kfz-Technikermeister ihre Erfahrung an die junge Generation weitergeben und zum Beispiel als Trainer arbeiten. In der Werkstatt befindet sich eine 360-Grad-Kamera, die den Livestream in die VR-Brille überträgt. Der Meister sitzt vor seinem Bildschirm zu Hause und gibt dem Azubi Anweisungen, was zu tun ist. 

Wer steht dahinter?

InKraFT ist die Abkürzung für "Inklusion in der beruflichen Bildung am konkreten Fall der Kfz-Mechatronik mittels Virtual Reality Technologie". Hinter dem Forschungsprojekt steht das Bundesbildungsministerium, das August-Wilhelm-Scheer-Institut für digitale Produkte und Prozesse, das Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, das Center for Cognitive Science an der Technischen Universität Kaiserslautern, die Universität Siegen sowie die information multimedia communication AG. Im September 2020 endet die dreijährige Laufzeit von InKraFT.

(Bild: BMBF)

 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.