Studie: Ausbildungsbetriebe und Jugendliche finden nicht zusammen

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist in den vergangenen Jahren zwar nach oben gegangen, dennoch finden Betriebe und Jugendliche oftmals noch immer nicht zusammen: 2018 suchten 79.000 Jugendliche erfolglos eine Lehrstelle, während auf der anderen Seite 58.000 Ausbildungsplätze unbesetztblieben. Zu diesen Ergebnissen kommt der Ländermonitor berufliche Bildung, den die Universität und das Soziologische Forschungsinstitut in Göttingen mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung erstellt haben.

Die Gründe für diese Passungsprobleme sind vielfältig: Für knapp die Hälfte (44 Prozent) der unbesetzten Stellen gibt es zwar interessierte Jugendliche, es kommt aber trotzdem nicht zum Abschluss von Ausbildungsverträgen, weil der Betrieb die Bewerber nicht für geeignet hält oder die Jugendlichen den Betrieb nicht für attraktiv genug halten.

Bei einem Drittel der unbesetzten Stellen liegt das Problem darin, dass es keine Bewerber für den angebotenen Ausbildungsberuf gibt. Dies betrifft besonders das Lebensmittelhandwerk oder das Hotel- und Gastronomiegewerbe. Bei knapp einem Viertel (23 Prozent) der unbesetzten Stellen liegt das Problem in fehlender Mobilität, weil sich Ausbildungsbetriebe und Bewerber in unterschiedlichen Regionen des jeweiligen Bundeslandes befinden.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, fordert Lösungen, damit Jugendliche und Betriebe besser zusammenfinden: „Gerade kleine Betriebe brauchen Unterstützung dabei, ihre Stellen zu besetzen.“ Zudem gelte es, in aus Sicht der Jugendlichen unbeliebteren Branchen die Rahmenbedingungen zu verbessern. Hilfreich wäre auch, die Kontakte zwischen Schulen und Betrieben zu intensivieren und so den Übergang zu erleichtern. Mit diesen Maßnahmen könne gleichzeitig die hohe Zahl an Ausbildungsabbrüchen verringert werden.

Große regionale Unterschiede

Insgesamt hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt für junge Menschen verbessert. Kamen 2009 im bundesweiten Durchschnitt auf 100 Ausbildungssuchende knapp 89 Stellen, so sind es heute annähernd 97. Die bundesweite Betrachtung verdeckt allerdings große regionale Unterschiede: Regionen mit einem Überhang an Ausbildungsstellen finden sich überwiegend im Süden und – vor allem aufgrund des Geburtenrückgangs in den 90er Jahren – im Osten Deutschlands. Dort besteht zwischen den Unternehmen eine hohe Konkurrenz um potenzielle Auszubildende.

Mehr Ausbildungsnachfrager als offene Stellen gibt es hingegen im Westen und Nordwesten der Republik. In solchen Regionen mit einem Mangel an Ausbildungsplätzen sinken vor allem die Chancen der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss, einen Ausbildungsplatz zu finden. Schlechte Karten bei der Ausbildungsplatzsuche haben auch Bewerber mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

Gerade vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels sei dies alarmierend, so Dräger: „Wir müssen die Integrationskraft des Ausbildungssystems stärken. Jeder junge ausbildungsinteressierte Mensch muss unabhängig von Herkunft und Schulabschluss die Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen.“

(Foto: Bertelsmann-Stiftung)

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