Soft Skills spielen immer größere Rolle

Fachkräftemangel: Ein Wort, bei dem wohl die meisten Firmen froh wären, es würde gar nicht im Duden stehen. Aber es gibt ihn nun einmal. Das ist zwar schlecht für die Betriebe, für junge Menschen kann dies aber eine Chance sein. Denn wenn immer weniger Bewerber auf einen Ausbildungsplatz kommen, laden die Betriebe womöglich auch diejenigen zum Vorstellungsgespräch ein, die sie vor einigen Jahren noch nicht eingeladen hätten – zum Beispiel, weil die Zeugnisse für ihren Geschmack zu schlecht waren. Diese Offenheit und Abkehr von altem Anspruchsdenken zahlen sich oft aus, nämlich dann, wenn sich der Kandidat als verstecktes Talent entpuppt.

Laut der Bonner Wirtschafts Akademie (BWA) legen Arbeitgeber heute jedoch vermehrt Wert auf die sogenannten weichen Faktoren. „Früher wurde bei Übernahmen vor allem nach formalen Kriterien wie Ausbildung, Fachwissen und Betriebszugehörigkeit entschieden. Heute stehen die Soft Skills im Vordergrund“, weiß BWA-Chef Harald Müller. Das ist eine ideale Gelegenheit für Bewerber, die früher durch das Bewerbungsraster gefallen wären. Wer nicht die besten Noten im Abschlusszeugnis stehen hat, kann trotzdem für den Job geeignet sein, da er vielleicht über bestimmte persönliche Eigenschaften verfügt, die das wieder ausgleichen. Wer zum Beispiel gerne im Team und eigenverantwortlich arbeitet, ist sicherlich in der Werkstatt gut aufgehoben.

Hard Skills vs. Soft Skills

Früher gaben die sogenannten Hard Skills den Ausschlag, ob jemand zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Doch was versteht man überhaupt darunter? Zu den harten Faktoren – wie sie auch genannt werden – gehört alles, was sich messen lässt; erlernte Kompetenzen, die sich mit einer Prüfung nachweisen lassen. Wer Automobilkaufmann oder Kfz-Mechatroniker werden möchte, benötigt in der Regel einen Schulabschluss. Bei vielen Betrieben ist die Mittlere Reife die Zugangsvoraussetzung für eine Ausbildung. Gute Zensuren in Mathematik gelten gemeinhin als Indiz dafür, dass jemand analytisch denken kann. 

Es gibt jedoch noch eine andere – weiche – Seite: die Soft Skills. Und diese stehen momentan bei vielen Arbeitgebern hoch im Kurs. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um eine Stelle als Führungskraft oder einen Ausbildungsplatz handelt. Die Sozialkompetenz wird in drei Gruppen eingeteilt: in persönliche, soziale und methodische Kompetenzen. Zu den persönlichen Kompetenzen zählen Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Sowohl der Arbeitgeber als auch die Kollegen und letztlich auch die Kunden müssen sich auf den Mitarbeiter verlassen können. Ist zum Beispiel ein Servicetermin geplant, sollte dieser pünktlich auf der Matte stehen, andernfalls hat man womöglich einen Kunden verloren. Und da die wenigsten später allein im stillen Kämmerlein vor sich hinwerkeln werden, ist ein gewisses Maß an sozialen Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit vonnöten. Gerade in der Werkstatt ist schließlich Teamarbeit gefragt, hier greift ein Rädchen ins andere. Und als Automobilkaufmann sollte man durchaus in der Lage sein, zu kommunizieren, sei es mit den Kunden oder den Kollegen aus der Werkstatt. Zur letzten Gruppe, den methodischen Kompetenzen, gehören Eigenschaften wie analytisches Denkvermögen und Organisationstalent. Einfach munter drauflos zu arbeiten ist meistens keine gute Herangehensweise. Besser ist es, sich vorher einen genauen Plan zu machen, was zu tun ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man zeittechnisch ins Straucheln kommt und nicht rechtzeitig fertig wird. Das Problem: Die Sozialkompetenz lässt sich nicht so einfach messen wie ihr Gegenstück, die Hard Skills, aber es gibt Hinweise. 

Das Bewerbungsschreiben

Sage mir, was deine Hobbys sind, und ich sage dir, wer du bist. Arbeitgeber können viel aus einem Bewerbungsschreiben lesen – oft mehr, als es den Bewerbern selbst bewusst ist. Hobbys geben Aufschluss darüber, wie jemand tickt und über welche Charaktereigenschaften er verfügt.

Wer in seiner Freizeit Fußball spielt, ist es gewohnt, im Team zu arbeiten, sich darin zu behaupten, Kompromisse einzugehen und für eine gemeinsame Sache zu kämpfen. Wer sich ehrenamtlich engagiert, zeigt, dass er nicht nur an sich, sondern auch an andere Menschen denkt. Wer in seiner Freizeit schon häufiger größere Veranstaltungen geplant hat, scheint über ein gewisses Organisationstalent zu verfügen und es zu schaffen, seine Arbeit termingerecht abzuliefern; schließlich bringt es nur wenig, wenn der Caterer einen Tag später kommt. Die Soft Skills sind somit das i-Tüpfelchen, mit denen sich der jeweilige Bewerber von der Konkurrenz abheben kann. Diese sollten auch im späteren Vorstellungsgespräch ein Thema sein. Dann kann sich der Arbeitgeber ein genaueres Bild vom Bewerber machen. 

(Bild: Promotor Volz)

 

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