Leerstellen: weniger neue Azubis

Die Betriebe können es nicht mehr hören: Immer weniger junge Menschen haben Lust auf eine Ausbildung. Wenn man sich die aktuelle Statistik des BIBB ansieht, setzt sich dieser Trend auf den ersten Blick auch fort. Demnach haben im letzten Jahr nur 525.081 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, 6.333 weniger als 2018. Allen Unkenrufen zum Trotz: In der Zeit von 2014 bis 2017 waren es noch weniger Azubis, 2016 entschieden sich zum Beispiel nur 520.272 junge Menschen für eine Ausbildung. 

Und die Betriebe? Haben das Nachsehen. Den Daten des BIBB zufolge blieben 53.136 und damit fast 10 Prozent der von ihnen angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt. 2018 lag die „Leerstandsquote“ mit 57.657 allerdings noch höher. Das liegt bei Weitem aber nicht nur an einem mangelnden Interesse an einer beruflichen Ausbildung, sondern auch daran, dass es weniger Schulabgänger als früher gibt. Bereits seit 2016 sinken die Zahlen kontinuierlich, aber erst jetzt macht sich dieses Minus auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Laut Statistischem Bundesamt befand sich die Zahl der Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen schon in den Jahren zwischen 2016 und 2018 im Sinkflug. 2019 dürfte es nach ersten Schätzungen noch einmal einen Negativausschlag geben. Die damalige Lücke ließ sich relativ gut mit jungen Geflüchteten ausgleichen, die eine Ausbildung begannen. 2019 stieg die Zahl der Ausbildungsstellenbewerber, die sich bei der Bundesagentur für Arbeit registrieren ließen, jedoch nicht wie bisher an, sondern verharrte mit 38.100 auf dem Vorjahreswert. 

Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf, wie es sein kann, dass mehr als 53.000 Stellen unbesetzt geblieben sind und 73.700 Jugendliche keine Lehrstelle bekommen haben? Der Grund: Betriebe und Nachwuchskräfte finden nicht zusammen, da sie unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen haben. In den letzten zehn Jahren haben sich die Schulabschlüsse nach „oben“ verschoben, knapp zwei Drittel der Jugendlichen verfügen über einen mittleren Schulabschluss beziehungsweise eine Hochschulreife und diese Bewerber ergreifen wiederum weitaus seltener einen typischen „Hauptschülerberuf“, wie zum Beispiel Bäcker oder Restaurantfachmann. Es gibt aber auch Berufe, bei denen die Nachfrage größer ist als das Angebot. Dazu zählen zum Beispiel Mediengestalter Bild und Ton oder Fotograf. Ausbildungsberater und Recruiter beklagen wiederum, dass es noch viele Betriebe gibt, die das alte Sprichwort „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ leben. BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser rief dazu auf, auch in Zukunft alles daran zu setzen, die duale Ausbildung für die Jugend wieder attraktiver zu machen.

Autoberufe sind beliebt

Die gute Nachricht: Autoberufe liegen in der Gunst weit vorn. Das bestätigt auch ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens, die für die Abteilung Berufsbildung verantwortlich ist: „Autoberufe genießen bei den jungen Menschen, vor allem bei den Männern, nach wie vor eine große Attraktivität“. Das untermauern auch die Daten aus der Statistik. Rund 22.800 Jugendliche haben im letzten Jahr einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen, davon waren 95,7 Prozent männlich. In der Beliebtheitsskala schafft es der Kfz-Mechatroniker auf den zweiten Platz. Automobilkaufmann wollten mehr als 5.300 werden, was dem Beruf den 27. Platz beschert. Hier ist das Geschlechterverhältnis auch etwas ausgeglichener: 62,8 Prozent sind männlich, 37,2 Prozent sind weiblich. Einen leichten Rückgang mussten dennoch beide Berufe verbuchen, im Durchschnitt 2,5 Prozent.  

Das BIBB

Das Bundesinstitut für Berufsbildung widmete sich in seiner aktuellen Statistik der Frage, wie sich der Ausbildungsmarkt im letzten Jahr entwickelt hat. Die Grundlage bilden die bis zum 30. September 2019 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sowie auf der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Bild: Promotor

 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.