Kfz-Weltmeistertitel geht nach Russland

1.300 Teilnehmer aus 63 Ländern treten in 56 Berufsbildern gegeneinander an – und am Ende gewinnt fast immer ein Chinese oder ein Russe. So lassen sich die Ergebnisse der  Berufsweltmeisterschaften World Skills zusammenfassen, die Ende August in der russischen Millionenstadt Kasan stattfanden. 16 Mal standen Teilnehmer aus China ganz oben auf dem Siegertreppchen, 14 Mal Kandidaten aus dem Gastgeberland. Die deutsche Mannschaft durfte sich über zwei Goldmedaillen freuen.

Die Rangliste in der Disziplin „Automobile Technology“ passte da sehr gut ins Bild. Hier sicherte sich der Russe Nikolai Donchak vor Zhen Wang aus China und Zu-Yi Lu aus Taiwan den Titel. Der deutsche Vertreter Simon Kazimirowicz aus Brillon landete im Mittelfeld des 36-köpfigen Teilnehmerfeldes. So ganz zufrieden war der 23-jährige Kfz-Mechatroniker nicht mit seiner Leistung nicht. Insbesondere mit den Schaltplänen habe er seine Schwierigkeiten gehabt, berichtete er am Ende des vierten und letzten Wettkamptages im Gespräch mit »autoFACHMANN«.

Im Rahmen des Wettkampfes mussten die Kandidaten an acht Stationen vorbereitete Fehler diagnostizieren und beheben. Das Spektrum umfasste sowohl mechanische als auch elektronische Aufgaben und reichte von der Motordiagnose über Komfortelektrik und CAN-Bus bis zur Bremsenprüfung und Achsvermessung. Erstmals mussten die Teilnehmer auch ihre Fähigkeiten bei der Arbeit an Hybridfahrzeugen unter Beweis stellen. Die Aufgaben sollten möglichst ähnlich wie Kundenaufträge aufgebaut sein.

Ein Nachteil für Simon Kazimirowicz bestand darin, dass überwiegend an Toyota-Fahrzeugen gearbeitet wurde. Und deren Details waren ihm, der in einem Mercedes-Betrieb gelernt hat, nicht so vertraut. Gezielt darauf vorbereiten hatte er sich aber auch nicht können, da erst direkt in Kasan bekanntgegeben wurde, an welchen Systemen zu arbeiten war.

Unter Zeitdruck und in englischer Sprache arbeiten

Eine weitere Herausforderung stellte die Wettbewerbssprache Englisch dar. Somit war im Gegensatz zur Arbeit im Betrieb neben einer hohen Diagnose- auch sprachliche Kompetenz gefragt – und das unter permanentem Zeitdruck. Mit der Wettkampfatmosphäre und der ständigen Beobachtung durch Experten wie auch von Seiten normaler Zuschauer kam Kazimirowicz nach eigenen Angaben dagegen gut klar. Außerdem zeigte er immer dann seine Stärken, wenn die Aufgaben etwas mehr vom Schema F abwichen und demzufolge selbstständiges Denken gefragt war. „Hier war er besser als zum Beispiel die Asiaten“, lobte Bundestrainer Franz Havlat, der als einer von 36 Experten auch die Leistungen der Konkurrenz bewertete. Dafür brillierten die Teilnehmer aus Fernost  ebenso wie der russische Sieger an anderer Stelle mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit.

Hier spiegelte sich ein Phänomen wider, das in vergleichbarer Form berufsübergreifend zu erkennen war: In Fernost genießen die World Skills einen wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland, entsprechend werden die Teilnehmer – auch staatlich – gefördert und können sich im Vorfeld ganz auf ihr Training konzentrieren. Ähnliches traf in diesem Jahr auch auf das Gastgeberland zu, das es sich ganz offensichtlich auf die Fahne geschrieben hatte, bei der größten Veranstaltung des Jahres auf russischem Boden mit Erfolgen zu glänzen.

Team Germany konnte sich am Ende über zwei Goldmedaillen für Fliesenleger Janis Gentner und Zimmerer Alexander Bruns freuen. Bronze gab es in der Disziplin Stahlbetonbau sowie den Demonstrationswettbewerben Robot Systems Integration und Industry 4.0. Dazu kamen 19 sogenannte Exzellenzmedaillen, mit denen bei den World Skills überdurchschnittliche Leistungen knapp hinter Gold, Silber und Bronze honoriert werden.

Weitere Bilder von den World Skills finden Sie bei den Kollegen von »kfz-betrieb«.

(Foto: Büttner)

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