Kfz-Meister wird neu aufgestellt

Das Kfz-Handwerk stellt gemeinsam mit der Bildungspolitik die Meisterverordnung auf neue Füße. Voraussichtlich ab Sommer 2020 sollen neue Regeln, um den höchsten Abschluss im Handwerk zu erreichen. „Die technische Entwicklung in der Automobilbranche schreitet so schnell voran, dass es höchste Zeit war, die zwei Jahrzehnte alten Vorgaben zu modernisieren“, betont ZDK-Referent Joachim Syha, der an der Umsetzung der neuen Inhalte federführend mitgewirkt hat.

Grundsätzlich orientieren sich die neuen Regelungen wesentlich stärker am Arbeitsalltag und an den betrieblichen Geschäftsprozessen. Der Kundenauftrag ist die Basis. Folgende Vorgaben finden sich künftig verstärkt in der Meisterprüfung wider:

  • Einführung eines Meisterprüfungsprojekts: Der angehende Meister muss künftig in Teil 1 seiner Prüfung einen Kundenauftrag abwickeln, der quasi aus dem Betriebsalltag abgegriffen ist.
  • Abbildung einer Beratungssituation: Zusätzlich soll das im Prüfungsteil 1 etablierte Fachgespräch um eine alltägliche Beratungssituation erweitert werden. Ziel ist es, nicht nur fachliches Wissen abzufragen, sondern dieses auch potenziellen Kunden verständlich zu vermitteln.
  • Überarbeitete Situationsaufgabe: Die im Meisterprüfungsprojekt vernachlässigten Aspekte kommen hier zur Sprache und werden intensiver geprüft. Dadurch sollen tiefgreifende Tätigkeiten sichergestellt werden.
  • Fachtheoretische Kenntnisabfrage in Teil 2: In der schriftlichen Prüfung liegt der Fokus auf der Handlungs- statt auf der Themenorientierung. Dazu gehören beispielsweise das Anbieten einer Lösung, das Erbringen einer Leistung und das Führen eines Kfz-Betriebs.

„Durch die neuen Regeln haben wir einen Paradigmenwechsel in der Prüfungswelt geschaffen“, resümiert Syha. Statt Themenorientierung stehe nun Prozesswissen im Vordergrund. „Dadurch können Kfz-Betriebe, die neue Meister einstellen, mit einem guten praxisorientierten Wissen und Handeln ihrer Führungskräfte rechnen.“

Die neuen Vorgaben führen dazu, dass sich alle Beteiligten umorientieren müssen: Die Vorbereitungsstätten müssen die Abwicklung komplexer Arbeitsprozesse und Handlungen vermitteln, statt sich auf Themen zu konzentrieren. Die Prüfer können sich nicht mehr auf ein stupides Abfragen von Faktenwissen konzentrieren, sondern müssen die Zusammenhänge in Bezug auf den Kundenauftrag sehen.

Nun gilt es, die neuen Vorgaben umzusetzen. Dafür haben alle Beteiligten rund zwölf Monate Zeit. Um die Bildungsexperten vor Ort zu informieren und auf die neuen Voraussetzungen vorzubereiten, bieten ZDK und Landesverbände entsprechende Prüfer-Workshops an.

(Foto: Baeuchle/»kfz-betrieb«)

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  • Denn sie wissen nicht was sie tun.

    Da haben sich endlich mal Personen Gedanken gemacht, welche weder von einer "praktischen Meisterprüfung" noch von der "Praxisnähe" eine Ahnung haben.
    Als langjähriger Prüfer eines Meisterprüfungsausschusses fehlen mir die Worte. "Ein Hoch auf das Handwerk"

  • Überfälliger Schritt

    Ein richtiger und auch überfälliger Schritt. Die Weiterbildung zum Kfz-Meister hat bisher den direkten Kontakt bzw.Umgang mit dem Kunden und die damit verbundene Auftragsbegleitung außer acht gelassen.Diesen absolut wichtigen Punkt konnte man sich nur über zusätzliche Weiterbildungen wie zum Beispiel die zum GASB aneignen. Das Beherschen der Technik setzt der Kunde beim betreten der Serviceannahme voraus , zukünftig kann nun der gesamte Auftragsprozess bis hin zu ganzheitlichen Führungsaufgaben im Betrieb zu weiterer Kundenzufriedenheit wie auch besserem Betriebsergebnis führen !