Digitalisierung in der überbetrieblichen Ausbildung

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Aus- und Weiterbildung im Kfz-Gewerbe? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 17. ZDK-Ausbildertagung am 14. September in Frankfurt. Rund 150 Ausbilder an überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks kamen auf Einladung des ZDK am Rande der Automechanika zusammen.

Die insgesamt 600 Ausbilder an 180 überbetrieblichen Bildungszentren leisten „einen wesentlichen Beitrag zur hervorragenden Qualität der Ausbildung im Kfz-Gewerbe“, betonte ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens in ihrer Begrüßung. Deshalb sei es dem Verband ein großes Anliegen, mit dieser Zielgruppe regelmäßig in Kontakt zu treten und ihr Informationen und Weiterbildungsmöglichkeiten zu bieten.

Ein wichtiger Bestandteil sei das ZDK-Weiterbildungsprogramm, das für das kommende Jahr 40 Schulungsangebote mit rund 500 Teilnehmerplätzen enthält – und die sind trotz fehlender öffentlicher Fördergelder alle kostenlos. Zu verdanken sei dies unter anderem den Automobilherstellern und Importeuren, die 35 Seminare anbieten. Fünf weitere Schulungen in Bildungszentren unterstützt der ZDK.

Wie wichtig die Weiterqualifizierung der Trainer ist, verdeutlichte Dr. Matthias Kohl vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung in seinem Beitrag. Mit der zunehmenden Digitalisierung gingen neue Kompetenzanforderungen einher, und daraus folge Qualifizierungsbedarf.

Medienkompetenz der Lehrenden

Digitale Lehr- und Lernmittel würden massiv an Bedeutung gewinnen, so Kohl. Diese böten auch großes Potenzial, beispielsweise zur Individualisierung des Lernens und zur Motivation der Lernenden. Außerdem böten sie gute Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen der theoretischen Lehre und der praktischen Arbeit. Entscheidende Voraussetzung für den Erfolg digitaler Lehrmittel sei aber die Medienkompetenz der Lehrenden, da diese geeignete Lehrmedien auswählen, gestalten und einsetzen müssten.

Dass es an diesem Punkt noch Luft nach oben gibt, wurde im Workshop mit Michael Eisermann vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik (HPI) deutlich. Eisermann wird demnächst eine Studie starten, in der er die Weiterbildung der überbetrieblichen Ausbilder unter die Lupe nimmt. Was motiviert sie? Welche Formen der Fortbildung bestehen? Und nicht zuletzt: Welche Hemmnisse halten die Trainer davon ab, Qualifizierungsmaßnahmen zu besuchen?

Erste Antworten erhielt Eisermann bereits auf der Ausbildertagung. Viele Teilnehmer beklagten sich, dass ihnen nicht genügend Möglichkeiten geboten würden. Oft sei es schon schwierig, ein technisches Training vom Vorgesetzten genehmigt zu bekommen. Noch seltener gelinge dies bei pädagogisch-didaktischen Inhalten.

E-Learning für die Kfz-Ausbildung

In welcher Form die Digitalisierung in der Kfz-Ausbildung bereits Einzug gehalten hat, erläuterten Werner Degen und Thorsten Blos vom Ausbildungsmagazin »autoFACHMANN«. Sie stellten das E-Learning autoFACHMANN-Digital und das darin enthaltene Berichtsheft vor. Besonderen Anklang fand bei den Zuhörern die Tatsache, dass Trainer an überbetrieblichen Bildungsstätten das Produkt kostenlos nutzen können.

Neuigkeiten aus dem Verband und aus der Akademie TAK hatten Joachim Syha, Dominik Lutter und Rüdiger Semper mitgebracht. Syha informierte über den aktuellen Stand der neuen Kfz-Meisterverordnung. Eine Nachricht war dabei weniger erfreulich: Die eigentlich noch für 2018 vorgesehene Umsetzung der Verordnung wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr nicht mehr über die Bühne gehen. Grund für die Verzögerung sei laut Syha Klärungsbedarf im Bundesjustizministerium. „Wir haben unseren fachlichen Teil geliefert“, betonte er.

Lutter stellte die neuen Informationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), speziell zu Arbeiten mit Hochvoltfahrzeugen, vor. Semper informierte unter anderem über das neue akkreditierte Kalibrierlabor TAK Cert.

Auch für das Thema „Neue Fahrzeugtechnologie“ stand mit Geschäftsführer Neofitos Arathymos ein ZDK-Vertreter auf dem Podium. Er befasste sich in seinem Vortrag mit der Diagnosetechnik der Zukunft. Die Möglichkeiten der „Diagnose over the air“, also der Diagnose und Programmierung über das Internet, böten den Fahrzeugherstellern ganz neue Chancen, mit den Autofahrern direkt in Kontakt zu kommen. Das Kfz-Gewerbe müsse aufpassen, dass es hier nicht verdrängt werde.

(Foto: Schmidt)

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