Berufsbildung auf einem neuen Level

Die Ausbildung im Kfz-Gewerbe ist gut, und trotzdem muss man sie über kurz oder lang auf ein neues Level heben. Das wurde auf dem zweiten Treffpunkt Berufsbildung klar, zu dem der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) Ende Oktober nach Fulda eingeladen hatte. Unter dem Motto „Level up!“ kamen rund 250 Ausbildungsprofis aus Betrieben, Schulen und Verbänden zusammen, um sich in Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops mit der Zukunft der Ausbildung auseinanderzusetzen.

Das Thema Berufsbildung sei quasi in der DNA des Verbandes verankert, erklärte ZDK-Vize und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk zur Motivation, einen solchen Kongress zu veranstalten. Außerdem sei es immer gut, über den Tellerrand zu schauen, in die Zukunft zu blicken und Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen, ergänzte die für Berufsbildung zuständige ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens.

Im Mittelpunkt des Programms stand die Beschäftigung mit der Generation der aktuellen und künftigen Auszubildenden, der sogenannten „Generation Z“. Diese nach 1996 Geborenen zeichnen sich nach den Worten der ersten Rednerin, der Generationenforscherin Dr. Steffi Burkhart, vor allem dadurch aus, dass sie total im Digitalen leben und von dort aus auf die analoge Welt blicken. „Die jungen Leute haben die Deutungshoheit über das wichtigste Massenmedium der Gegenwart – das Internet – und sind Treiber von Innovationen“, so Burkhart.

Kreativität statt reinem Faktenwissen

Die Forscherin bestätigte, was viele Ausbilder in der Praxis erleben: Die Jugendlichen ließen sich nicht lange bei der Stange halten und wollten keine langen Texte lesen. Dementsprechend müsse sich die Didaktik verändern, Wissen und Fähigkeiten über Erfahrungen statt über theoretische Lektionen vermittelt werden. Zudem seien in Zukunft ohnehin Kreativität und soziale Skills viel mehr gefragt als reines Faktenwissen.

In einer Talkrunde erläuterten dann der Didaktik-Professor Thomas Strasser sowie die beiden Ausbilder Petra Bechtel und Dominik Dedio vom Autoberufe-Award-Gewinner Autohaus Kunzmann, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Ausbildung im Betrieb hat. Ihr Fazit lautete, die Ausbilder müssten auf die Nachwuchskräfte zu- und eingehen, ihnen Freiraum und Eigenverantwortung geben und ihre Rückmeldungen ernst nehmen.

Das bestätigten die Vertreter der Generation, über die im Vorfeld schon so viel gesprochen wurde. In einem Workshop trugen acht Kfz-Azubis zusammen, wie sie sich ihren Wunschausbilder vorstellen. Neben Fachkompetenz, Ehrlichkeit und Verständnis erwarten sie, verantwortungsvolle Aufgaben übertragen zu bekommen sowie ein offenes Ohr für ihre Vorschläge.

Kfz-Betriebe sollten sich nach Eingang einer Bewerbung auch nicht mehr all zu viel Zeit lassen, wenn sie einen geeigneten Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch einladen möchten. Denn 75 Prozent der Bewerber können heute aus mehr als einem Ausbildungsplatzangebot auswählen. Das erläuterte Felicia Ullrich, Geschäftsführerin des U-Form Verlags, in ihrem Workshop zum Thema „Azubi-Recruiting in Zeiten von Mobile und Social Media“.

Andere Arbeitskreise befassten sich mit der Digitalisierung in der Berufsausbildung bei den Automobilherstellern sowie dem spielerischen Lernen in virtuellen Welten.

KI und ihre Folgen für die Arbeitswelt

Wenn sich die Menschen ändern, hat das logischerweise Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Welche das sein können, beschrieb der Podcaster Frank Eilers in einem Referat. Technologische Entwicklungen wie Vernetzung und künstliche Intelligenz (KI) würden dazu führen, dass sich wiederholende Arbeiten von Maschinen übernommen würden, so Eilers. „Wir Menschen übernehmen dann das Wesentliche, nämlich das Kreative.“

Wenn ein Unternehmen kreative Mitarbeiter benötige, müssten die Führungskräfte auch die Haltung gegenüber ihren Beschäftigten auf den Prüfstand stellen. Wer den Mitarbeitern unterstelle, sie wären faul, und sie deshalb in ein enges Korsett von Vorschriften zwänge, bekomme eine passive Belegschaft, die keinerlei Initiativen entwickle. Wer dagegen davon ausgehe, dass die Beschäftigten arbeiten und im Sinne des Unternehmens handeln, und ihnen Spielräume gebe, werde mit Engagement und Kreativität belohnt.

Dass digitale Technologien weder als Sündenbock für alle Missstände in Gesellschaft und Bildung verantwortlich sind, noch als Wundermittel sämtliche Probleme lösen können, verdeutlichte Professor Thomas Strasser im Abschlussvortrag. „Die Digitalisierung will und kann die Lehrer und Ausbilder nicht ersetzen, sondern sie fit für die Zukunft machen“, betonte der Didaktiker. Auch die besten Tools würden nichts nützen, wenn sie nicht kompetent vermittelt und angewandt würden.

Die technologischen Entwicklungen lösen laut Professor Strasser bei vielen Lehrenden Ängste aus, da sie sich in diesem Bereich ihren Schülern unterlegen fühlen. Dennoch sei es wichtig, aktiv auf neue Phänomene zuzugehen und sie mit den bewährten Methoden zu verknüpfen. Das Ergebnis sei „Blended Learning“, bei dem unterschiedliche Technologien und Methoden gut nebeneinander existieren und sich ergänzen können.

(Foto: »autoFACHMANN«/Schmidt)

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