Eine Frage des Geldes: Studie zum Lebenseinkommen

Früher war es so: Wer ein Studium begonnen hat, wusste, dass er später einmal zur Riege der Besserverdienenden gehören wird. Auch heute glauben viele, dass dieses eherne Gesetz noch Bestand hat – sicherlich einer der Gründe, weshalb immer mehr junge Menschen ein Hochschulstudium einer Ausbildung vorziehen. In fast allen OECD‐Ländern hat der Anteil der Akademiker in den letzten Jahren stetig zugenommen. 2008 lag die Zahl noch bei 35 Prozent, 2018 schon bei 44 Prozent, das entspricht einem Anstieg von neun Prozentpunkten. In Deutschland geht die steigende Nachfrage nach einer Hochschulbildung mit einem Rückgang der dualen Berufsabschlüsse einher.

Aber ist ein Hochschulstudium tatsächlich ein Garant für einen höheren Verdienst? Dass dem nicht immer so ist – beziehungsweise, dass die Unterschiede nicht so gravierend ausfallen wie oft angenommen –, beleuchtet eine Studie des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) an der Universität Tübingen. Die Forscher haben dabei die Gesamteinkommen, also den im Laufe eines Arbeitslebens angesammelten Verdienst, von vier verschiedenen Bildungsgruppen miteinander verglichen: Personen mit und ohne Berufsausbildung, Akademiker sowie Meister/Techniker. Das Interessante: Letztgenannte sind die großen Gewinner der Studie.

Zahltag

Ob sich ein Studium finanziell lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen vom gewählten Studienfach beziehungsweise Ausbildungsberuf und den sich daraus ergebenden Berufs- und Karrieremöglichkeiten. Zum anderen regeln auch auf diesem Gebiet Angebot und Nachfrage den „Preis“. Berufe, nach denen sich die Wirtschaft gerade die Finger leckt und die nur von einer Handvoll Menschen ausgeübt werden, werden in der Regel gut bezahlt. 

Wenig überraschend: Ohne Abschluss verdient man in Deutschland am wenigsten, am Ende eines Erwerbslebens sind das maximal 800.000 Euro. Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung haben bereits 950.000 Euro auf ihrem Gehaltszettel stehen – 17 Prozent mehr als Personen ohne Abschluss. Außerdem verdienen sie bis zu ihrem 35. Lebensjahr mehr als Akademiker. Monetäre Abräumer sind mit circa 1,4 Millionen Euro Hochschulabsolventen. Aber auch: Meister und Techniker. Letztere verdienen zudem immer mehr als Personen, die nach dem Abschluss der Berufsausbildung auf eine Weiterbildung verzichtet haben. Untersucht wurde nicht nur die absolute Zahl am Ende eines arbeitsreichen Lebens, sondern auch, wann, wer, wieviel verdient. Während sich jemand mit einer Ausbildung bereits in jungen Jahren über ein regelmäßiges Gehalt oder einen regelmäßigen Lohn freuen kann und somit schon Punkte auf seiner Einkommensliste sammelt, fällt der Verdienst bei Studenten in der Regel recht spärlich aus, da diese einerseits nicht viel verdienen und andererseits ein Studium länger dauert als eine Ausbildung. In finanzieller Hinsicht brauchen Akademiker einen langen Atem. Dabei benötigen gerade jüngere Menschen mehr Geld, zum Beispiel um ein Haus zu finanzieren. Die Tatsache, dass Männer über alle Analysegruppen hinweg mehr verdienen als Frauen überrascht nicht wirklich. 

Das Fazit

Würde man die Studie mit einem Werbeslogan unterlegen, könnte dieser lauten: „Mach‘ eine Ausbildung und dann deinen Meister beziehungsweise Techniker obendrauf!“. Vielleicht nicht ganz so werblich, aber doch im gleichen Sinne schreiben das auch die Autoren der Studie: „Die Ergebnisse zeigen damit zunächst, dass sich ein abgeschlossenes Hochschulstudium im Vergleich zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung lohnt. Jedoch lohnt es sich genauso oder sogar insbesondere in der Mitte des Lebens noch mehr einen Meister oder Techniker zu machen, nachdem man eine Berufsausbildung abgeschlossen hat.“ 

Bis zum 60. Lebensjahr hat man mit dieser Kombination von Aus- und Weiterbildung lohntechnisch die Nase vorn. Am Ende ihres Erwerbslebens haben Personen mit Meister‐/Technikerabschluss 46 Prozent mehr verdient als jemand mit einer Berufsausbildung, das ist fast die Hälfte. Und im Vergleich mit den Hochschulabsolventen? Erst wenn erwerbstechnisch so gut wie alles gelaufen ist, sprich mit 60 Jahren, holen die Akademiker auf und liegen durchschnittlich mit mageren drei Prozent vorn. 

Wie wurde untersucht?

Die meisten zu diesem Thema erschienenen Studien basieren auf Umfragedaten. Die Forscher des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung gingen einen anderen Weg und kombinierten repräsentative Umfragedaten mit Sozialversicherungsmeldungen. So konnten die Wissenschaftler exakt berechnen, was 12.000 Personen, die zwischen 1948 und 1986 geboren wurden, mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen zwischen ihrem 16. und 65. Lebensjahr verdient haben.

(Bild: Edgar Schmidt / »autoFACHMANN)

 

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